Erkunden Sie die Kollektion gemeinsam mit Andrea Hart vom NHM

Geschrieben am 16th September 2019

Wenn Sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Farbkarte von Farrow & Ball in die Hand genommen und studiert haben, sind Ihnen sicher die amüsanten, bisweilen überraschenden oder geheimnisvollen Farbnamen und -stories aufgefallen. Sie sind mal von alten Dialektbegriffen aus Dorset inspiriert, mal beziehen sie sich auf Pflanzen, bilden den Sand an beliebten Urlaubsorten nach oder imitieren das Farbpulver des indischen Holi Festivals. Unsere Farbexpertinnen beziehen ihre Inspiration von überallher aus aller Welt.

Aus diesem Grund ist es jetzt wirklich außergewöhnlich, dass unsere neue Kollektion von nur einem einzigen Gegenstand inspiriert wurde: dem Buch Werner’s Nomenclature of Colours. Die Farbenzyklopädie klassifiziert die Farben, die in der Natur vorkommen, und war schon Charles Darwin von unschätzbarer Hilfe, als er von 1831bis 1836 mit seinem Segelschiff HMS Beagle die Welt entdeckte. Eine frühe Ausgabe davon befindet sich in der Bibliothek für seltene Bücher des Natural History Museums, mit dem wir für unsere neue Kollektion Colour by Nature zusammengearbeitet haben. Wir haben uns mit der Leiterin der Abteilung Special Collection, Andrea Hart, zusammengesetzt, um mehr über dieses spannende Werk zu erfahren.


Die Farbpalette von Farrow & Ball mit den Blautönen aus Werner's Nomenclature

Die Farbpalette von Farrow & Ball mit den Blautönen aus Werner's Nomenclature

Snow White W7 mit den originalen Weißtönen aus Werner's Nomenclature

Snow White W7 mit den Original-Weißtönen aus Werner's Nomenclature



Was ist das Besondere an dem Werk Werner’s Nomenclature of Colours?

Der deutsche Mineraloge Abraham Gottlob Werner brachte das Buch im Jahr 1774 heraus, er beschrieb und kategorisierte darin in der vorfotografischen Zeit Farben. Die ausführlichen und poetischen Beschreibungen Werners wurden kurze Zeit später vom schottischen Maler Patrick Syme mit farblich passenden Feldern und eigenen Beispielen von Tieren und Pflanzen ergänzt.

Bis dahin waren Farbklassifizierungen nur für Maler konzipiert gewesen, doch Symes Übersicht etablierte eine standardisierte Farbterminologie in einem praktischen Format, die sich auch für wissenschaftliche Feldstudien eignete. Der berühmteste Nutzer war Charles Darwin. Er hatte das Buch im Gepäck, als er mit der HMS Beagle von 1831 bis 1836 die Welt erkundete.

Neben seiner Bedeutung als Vorläufer aller moderner Farbsysteme ist es vor allem auch sein Charme, der das Buch so besonders macht: die poetischen Namen und Beschreibungen sowie die liebevolle Herstellung der Farben. Syme testete sie unzählige Stunden, um sie dann auf Papier zu streichen und kleine Muster auszuschneiden, die er in jede Ausgabe des Buchs von Hand einklebte.

 

Haben Sie eine persönliche Lieblingsfarbe aus Werner’s Nomenclature of Colours?

Ich mag die Bezeichnung für Skimmed Milk White – „das Weiß eines menschlichen Augapfels“, oder die Farbe „die Rückseite der Blütenblätter eines Leberblümchens“ oder die Nuance mit dem Namen „gewöhnlicher Opal“. Meine Lieblingsfarbe ist Orpiment Orange, weil es mich an den tollen Teppich der Bibliothek erinnert!


Welche anderen spannenden Dinge können Sie als Leiterin der Abteilung für Sonderkollektionen uns empfehlen?

Ach, du liebe Güte, das sind viel zu viele, um sie alle aufzuzählen! In meinen Sammlungen gibt es beeindruckende Bilder von den Reisen des Captain Cook und unser ältestes Buch, Plinys Naturalis Historia, das im Jahr 1469 veröffentlicht wurde. Auch all unsere anderen Sammlungen verfügen über faszinierende Stücke! Es gibt ein Pinguinei, das Apsley Cherry-Garrard während der Expedition Terra Nova gefunden hat, und einen riesigen Mistkäfer, der sein gesamtes Leben, von der Geburt bis zum Tod, in einem Ball Elefantenkot verbracht hat. Erst war er von nassem und anschließend zu Ton gebranntem Schlamm umhüllt. Und kürzlich stand ich neben einer riesigen Rippe von Hope, dem Blauwal, der sich in der Hintze Hall des Museums befindet. Das fühlt sich sehr beeindruckend an.  

Wie sieht ein Tag im Leben einer Kuratorin aus? Wie ist es, mit den Sonderkollektionen zu arbeiten?

In den ganzen Jahren, in denen ich die Sonderkollektionen betreue, war selten ein Tag wie der andere. Die Museumsbibliothek enthält einige der seltensten und wertvollsten Sammlerstücke, sowohl Bücher als auch

Handschriften oder Kunstwerke, sowie das Archiv des Museums. Ich bin in erster Linie dafür verantwortlich, die Sammlungen zu pflegen und zu bewahren. Doch ich verwalte sie auch, mache sie öffentlich, entwickle und bewerbe sie.

Letztlich ist es meine Aufgabe, all das, was im Museum ist, zu erklären und der Welt zugänglich zu machen. Damit alle von der Natur inspiriert werden können. Auch wenn ich schon so lange mit den Sammlungen arbeite, erfüllt mich die Schönheit der Exponate doch immer wieder mit Staunen.

Welche Rolle spielt ein Buch wie Werner’s Nomenclature in einer Welt, in der innerhalb weniger Momente Bilder für die Nachwelt aufgenommen werden können? Können wir auch heute noch davon lernen?

Ich denke, dass Werner’s Nomenclature als visueller und geschichtsträchtiger Gegenstand zahlreiche Rollen in der heutigen Zeit übernehmen kann. Er dient als Fernrohr in die Vergangenheit, welches uns dabei hilft, unsere Geschichte zu verstehen und einzuordnen. Zudem zeigt er uns, wie viel Hingabe und Forschung auch heute noch notwendig ist, obwohl wir große technologische Fortschritte gemacht haben. Außerdem ist die Klassifizierung der Farben heute von genauso großer Bedeutung wie damals zu Zeiten von Werner. Das betrifft auch unsere uralte Beziehung zur Natur und wie wir sie uns auch weiterhin täglich zu Nutze machen und uns von ihr inspirieren lassen.

Wir ermutigen Menschen dazu, draußen in der Natur ihre Lieblingsfarben zu finden. Haben Sie ein paar Tipps zur Vorgehensweise?

Vor kurzem kam meine Tochter mit einem Rosenblatt nach Hause. Sie hatte es mitgenommen, weil sie von seiner Farbe so begeistert war: ein knalliges Pink, das bis in ein dunkles Rot überging. Manchmal muss man einfach etwas genauer hinschauen, und schon eröffnet sich einem die ganze Vielfalt und Faszination von Farben.

Versuchen Sie doch einmal, möglichst viele Schattierungen ein und derselben Farbe zu entdecken! Die berühmten botanischen Zeichner Franz und Ferdinand Bauer hatten 200 Nuancen von Grün in ihrer Palette. Eine andere Herangehensweise könnte sein, etwas zu finden, das von Natur aus blau ist (nicht Himmel oder Wasser!). Blau ist eine der seltensten Farben in der Natur. Eine dritte Idee: Nehmen Sie sich eine Ausgabe von Werner’s Nomenclature of Colour und schauen Sie, wie viele Farben aus dem Buch Sie draußen finden. Vielleicht können Sie dabei sogar neue Farbnamen kreieren!

Emerald Green W53 mit Darwin in der Hintze Hall des Museums

Lake Red W92 mit Hope, dem Blauwal, im Hintergrund


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