Ein traumhaftes Chalet in Herefordshire – verwandelt durch eine Farbberatung.

Geschrieben am 15th Januar 2021

Es könnte sein, dass Sie das Feriendomizil von Cathy Chivers in Herefordshire schon kennen. Denn das nordische Chalet, das weit oben über dem idyllischen Wye Valley thront, spielt eine Hauptrolle in der Netflix-Serie Sex Education. Hier wohnen der Protagonist Otis und seine Mutter, die Sexualtherapeutin Dr. Jean Milburn. Im echten Leben geht es hinter der repräsentativen rot-weißen Fassade des Chalets etwas weniger dramatisch als in der beliebten Serie zu, aber immer noch ausgesprochen farbenfroh!

Das ist unter anderem der Farrow & Ball-Farbexpertin Kat Billings zu verdanken, mit deren Hilfe Cathy kürzlich das eher neutral gestaltete Interieur des malerischen Anwesens in Räume voller Charakter verwandelte. Wir haben uns mit Cathy unterhalten, um mehr über das Projekt, das Ergebnis und ihre neue Lieblingsräume darin zu erfahren.

Was hat Sie dazu bewegt, eine Farbberatung zu buchen?

Das war, als das Haus in Sex Education mitspielte. Die Außenaufnahmen zeigen tatsächlich unser Chalet, wie es ist, doch teilweise wurden die Szenen, die innen spielen, im Studio gedreht. Als wir beschlossen hatten, das Haus an Feriengäste zu vermieten, ging es um deren Erwartungen. Wir fragten uns  „Wie verändern wir das Chalet innen so, dass es sich nicht zu sehr am Filmset orientiert, sondern mit seinem eigenen besonderen Charakter glänzen kann?"

Anstatt einfach auf Pinterest zu gehen und „Scandi Boho“ einzugeben, buchte ich eine Vor-Ort-Farbberatung. Ich wollte ein rundes Farbkonzept, das sich authentisch anfühlt. Alleine hätte ich mich nicht getraut, die Umgestaltung in Angriff zu nehmen, doch die professionelle Unterstützung gab mir das Selbstbewusstsein dafür.

Als wir damals in das Haus eingezogen sind, war es sehr farbenfroh gestaltet. Ich habe es neutraler streichen lassen, weil ich es nicht besser wusste. Das war eigentlich eine Notlösung. Ich scheute mich, eine kräftige Farbe an die Wände zu bringen … denn dann ist sie erst einmal da, und man ändert sie nicht einfach wieder.

 

Gab es Entscheidungen, bei denen Sie Ihre Komfortzone verlassen mussten?

Oh ja, definitiv. Schon am Anfang, als Kat De Nimes oder Hague Blue für das Wohnzimmer vorschlug, gaben diese Farben den Ton an. Ich dachte: „Wow, das ist wirklich etwas, das ich nicht gemacht hätte.“ Also, ich würde sogar sagen, dass die Farben von Wohnzimmer, Wintergarten und Dachboden für mich total ungewöhnlich waren – und sie mich aus meiner Komfortzone lockten. Ich selbst hätte diese Farben selbst wahrscheinlich niemals ausgewählt.

Haben Sie eine Lieblingsstelle im Haus?

Ja, es gibt einen Raum, in dem ich mich immer am liebsten aufgehalten habe und den ich jetzt anders nutze: der Dachboden. Dort gibt es eine kleine Ecke, in der früher das Schlafsofa stand. Jetzt ist das Schlafsofa weg, es stehen ein altes Sofa, ein Getränkewagen und ein paar Bücher dort … und man hat von hier einfach einen fantastischen Blick auf das Wye Valley. Diese Ecke ist jetzt der perfekte Platz, an dem man einfach nur dasitzen und ein Buch lesen möchte.

Welcher Raum hat sich Ihrer Meinung nach am meisten verändert?

Der Wintergarten, definitiv. Weil er so viel Licht, Wärme und Kälte abbekommt, haben wir uns damals beim Anbau für einen robusten Terrakottaboden und einen Kalksteintisch mit Metallstühlen entschieden. Ich dachte einfach, dass Holz dort vielleicht eine schlechte Idee wäre. Mit den hellen Farben und dem ganzen natürlichen Licht wirkte der Wintergarten einfach zu hell – steril und sehr hart.

Als die Sprache auf Green Smoke kam, dachte ich zuerst „Wow, das ist so dunkel!" Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte, weil es so ein krasser Kontrast war. Doch jetzt ist der Kontrast zum Fußboden viel weicher, was wirklich gut funktioniert, auch mit dem Kalksteintisch. Die Farbe hat mich dazu gebracht, viel mehr Pflanzen in den Raum zu bringen, und das hat die ganze Atmosphäre des Raumes komplett verändert.

Welcher Teil dieser Erfahrung war für Sie am besten?

Es war generell einfach schön, mich mit Kat auszutauschen. Denn es kommt nicht so oft vor – zumindest bei mir nicht – dass man mit jemandem zu tun hat, der so kreativ ist und so viel Erfahrung mit Gestaltung mitbringt. Vor diesem Hintergrund war der gesamte Prozess der Farbgestaltung toll.

Was den Lieblingsteil angeht … das war der Punkt, an dem Kat über die verschiedenen Farben sprach und wir unseren Rundgang durch das Haus beendet hatten. Sie zeigte mir den Farbfächer, und ich konnte alle Farben in ihrem Zusammenspiel sehen. Das war plötzlich so aufregend! Und ab da konnte ich es kaum mehr erwarten, endlich loszulegen um das Endergebnis zu sehen.

Was war der beste Tipp, den Sie während des Projekts bekommen haben?

Es gab viele praktische Ratschläge, also Tipps zum richtigen Finish, zur richtigen  Grundierung und zum Licht in jedem Raum – das war großartig. Aber ich glaube, es waren nicht so sehr die Ratschläge, sondern einfach die ganze Art und Weise, wie ich aus meiner Komfortzone geholt wurde. Auch wenn es keine direkten Tipps von Kat waren, so hat sie mich doch dazu ermutigt, etwas Neues auszuprobieren und ihre Entscheidungen zu akzeptieren. Ich würde jetzt zu allem Ja sagen. Es ist so gut, alle Zweifel über Bord zu werfen!

"Ich habe mich selbst nicht als jemand gesehen, der eine Farbberatung in Anspruch nimmt. Doch die Erfahrung war einfach toll."
Stellen Sie sich vor, Sie hätten so ein Projekt alleine gemeistert. Was war anders an der Zusammenarbeit mit Kat?

Für The Chalet hatten wir bereits Vorhänge anfertigen lassen, die ziemlich teuer waren, und ich wollte sie gerne behalten. Also habe ich mich am Stoff orientiert und mir überlegt, dass ich gerne eine der Farben des Vorgangs aufgreifen und sie irgendwo in jedem Raum einsetzen würde. Damit ein Flow von Raum zu Raum.

Das also hatte ich im Kopf, als ich mir meine Bilder auf Pinterest ansah und dachte: „Ein bisschen Grün hier im Raum und vielleicht auf den Möbeln im anderen Raum." Dann kam Kat mit De Nimes fürs Wohnzimmer und ich dachte nur: „Niemals hätte ich daran gedacht, eine Farbe zu wählen, die nirgendwo in der restlichen Einrichtung vorkommt." Aber es funktioniert eben trotzdem einfach perfekt, und mit De Nimes hat sie alles richtig gemacht!

Wenn man jetzt von Raum zu Raum geht, entsteht mit all den von Kat gewählten Farben tatsächlich ein Flow, allerdings nicht so offensichtlich. Es gibt in jedem Raum ein wenig Grün, doch es ist nicht das Erste, was einem ins Auge fällt. Sie hat auch die Außenfarben des Hauses und das Grün der Natur in ihr Konzept integriert. Das hätte ich selbst komplett außer Acht gelassen.

Es war auch sehr schön, mit all den Menschen bei Farrow & Ball zusammen zu arbeiten. Am Anfang fühlte ich mich … tja, nicht eingeschüchtert … aber ich habe mich selbst nicht als jemanden gesehen, der eine Farbberatung in Anspruch nimmt. Doch die Erfahrung war einfach toll, und der Kontakt war herrlich unkompliziert. Es war eine wunderschöne Erfahrung.

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